Teil III: Intro vom Outro

Niki & the Dove – Mother Protect (Goldroom Remix)

“Der Rest folgt bald in Teil III”…

So, und das war mal wieder gelogen. Ich fange zwar grade an, Teil III zu verfassen, weiß aber jetzt schon, dass es noch einen vierten Teil geben muss und deswegen hier wahrscheinlich nur die Hälfte vom “Rest” zu lesen sein wird. Ich unterschätze die Menge an Sachen, die ich noch gerne erzählen würde (ersetzt erzählen durch verarbeiten, wenn ihr wollt). Wie auch immer…

Weiter gehts! Von der rue de Nice in die rue de Bitche und somit auch von Marseille zurück nach Straßburg.

Der Januar, der mit der Reise aus Teil II sehr ereignisreich angefangen hatte, endete im gemütlichen day by day, das sich einspielt, wenn man nicht zur Uni geht und nach Lust und Laune lebt.

“Ich muss mir diese Auszeit jetzt einfach nehmen, um wieder zu mir zu finden”. Solche, oder ähnliche Sätze sagen Menschen, die überarbeitet sind, an Burnout leiden, oder in großen Städten untergehen. Der Mensch, der nicht viel arbeitet, ausgewogen lebt und Städte mag, verliert sich hingegen in Auszeiten. Man verbringt zu viel Zeit mit sich und seinen Gedanken, verliert den Rythmus und fängt an Melancholie zu lieben. Mindestens einmal pro Woche verspürt man schon beim Aufstehen das große Bedürfnis sich an diesem Tag zu betrinken, damit etwas Unerwartetes passiert. Das ist keine Folge von Langeweile, da es die in einer Auszeit nicht gibt. Man kann in einer Auszeit nämlich jede freie Minute (840 pro Tag) mit einer Beschäftigung seiner Wahl, oder mit Tagträumereien füllen, die am liebsten gezielt melancholisch, oder unrealistisch ausfallen; von der richtigen Musik begleitet, können sie einige Stunden andauern, ohne, dass einen diese ungemütlichen Gefühle “Motivation” und “Tatendrang” dabei stören.

Nach Claras Abfahrt am 27. Januar kam für mich auch recht schnell die Erkenntnis, dass ich nicht, wie geplant, bis zum Sommer in Straßburg bleiben würde. In dem Bewusstsein, den letzten Monat dort zu verbringen, ließ ich mich noch schlimmer gehen, als zuvor. Zu den Spätfolgen des Winters, die noch immer die Laune drückten, gesellte sich eine bodenlose Sinnlosigkeit in fast jeder, meiner Tätigkeiten.

Ich sagte “fast jede, meiner Tätigkeiten”, um noch über die Dinge reden zu können, die hingegen sinnvoll waren. Dazu gehören unter anderem die Unternehmungen mit Sascha, Johnny und seinen Mitbewohnern, wie zum Beispiel in Cafés zu sitzen, in der Sonne zu sitzen, in Bars zu sitzen und dabei ordentlich zu konsumieren (ein bisschen reduzierter, als das vor Weihnachten der Fall war, da mir so langsam die Last meines immer leichter werdenden Portemonnaies bewusst wurde). Zu den sinnvollen Tätigkeiten gehörten außerdem, bei Johnny zu sitzen und was quatschen, bei mir zu sitzen und was kochen, bei Sascha zu sitzen und was trinken, oder im Kino sitzen und Filme gucken.

Besondere Erwähnung soll aber vor allem unsere Fahrradtour nach Molsheim bekommen. Diese war eigentlich als Training für eine größere Tour entlang der elsässischen Weinstraße gedacht, zu der es leider nicht mehr kam. Umso schöner sind jedoch die Erinnerungen an diese eine, die uns bei klarem und für den Februar recht warmen Wetter über den Nordwesten Straßburgs an den Fuß der Vogesen brachte, wo wir einen mittelgroßen Ort voll von elsässischem Flair und dem Prestige, dass von den Bugattiwerken geblieben ist, erreichten. Wenn Sascha mir die Bilder von der Tour geschickt hat, wird dieser Satz verschwinden und durch ein paar von ihnen ersetzt.

Über die Musik, die Johnny und ich gemacht und aufgenommen haben, gibt es zwar viel zu berichten, aber ich warte damit, bis Johnny mit dem Mastern fertig ist und wir etwas zu präsentieren haben. Diese Andeutung ohne Gehalt musste her, um den Bogen meines Themas zu schließen: Rückblickend kann ich sagen, dass die Musik das entscheidende Argument mit sich brachte, um den faulen Februar in Straßburg vor meinem Gewissen rechtfertigen zu können. Für mich war es das absolut sinnvollste, was ich mit meiner Zeit anfangen konnte.

Zum Schluss noch ein paar Bilder vom letzten Februarwochenende. Patti war zu Besuch und es war schön. Patti war schön, Straßburg war schön und ich war traurig, denn es war das letzte Wochenende in Straßburg.

Ce n’est pas encore tout, mais je vais au lit. Bonne nuit.

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Teil II: Sie hören: Paris-Orthez-Marseille-Strasbourg in fünfundvierzig Sätzen

In Teil II des Epilogs der Straßburg-Saga gibt es das Best-Of meiner schrecklichen Handybilder und ein paar gut aussehende Bilder aus Pattis Digicam. Ich schätze das ist der einfachste Weg die letzten zwei Monate meiner Straßburg-Zeit revue passieren zu lassen, ohne, dass ich wieder mit abschweifenden Gedanken den Faden verliere.

Zuerst aber noch was anderes: Da Jones jetzt noch ein paar Wochen für sich alleine in Straßburg hatte, ist dabei Musik entstanden, die mich gleichermaßen begeistert und erstaunt hat. Begeistert bin ich, weil es wundervoll arrangiert ist, super klingt und sehr verschiedene kleine Soundschätzchen in sich birgt. Mein Erstaunen kommt durch den Stil, den ich in der Form noch nicht bei Johnny gehört hab. Durch den Versuch elektrischer zu werden, ist etwas sehr neues entstanden, das für mich wenig mit unseren alten Projekten zu tun hat. Bitte hörts euch an!

Johannes Rentrop – A Measure of Change

Der Januar fing mit einem kleinen Trip nach Paris an. Mein Besuch überschnitt sich noch zwei Tage mit dem von Hendrik und Kai, in denen wir zwar zu träge waren, noch ernsthaft zu feiern, die Zeit aber nutzten, um gut essen zu gehen und Paris weiter zu erkunden. Das Marais, das voll von charmanten Second-Hand-Lädchen ist, hat mir, wenn ich an die Zeit zurück denke, am besten gefallen. Leider habe ich keine Fotos gemacht, aber wenn ihr mal in Paris seid, müsst ihr unbedingt durchs Marais gehen!

Kaum waren Kai und Hendrik wieder nach Bonn gefahren, kam der nächste Gast. Da ich am nächsten Tag mit Johnny weiter in den Süden reisen wollte, bot es sich für ihn an, eine Nacht in Paris zu verbringen, um Patti und Valli, die Wohnung und ein paar schöne Ecken zu sehen.

Erkennt jemand diese Treppe? Wir sind bei einem Spaziergang drauf gestoßen und mussten natürlich ein paar Bilder machen. Von weitem hörte ich einen vorbeigehenden Amerikaner sagen: “I guess Woody Allen didn’t expect, he would make a tourist attraction out of this place” (Sorry, der Satz ist aufgrund meines schlechten Erinnerungsvermögens rekonstruiert).

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So, neuer Abschnitt. Das nächste Bild gabs schonmal auf diesem Blog. Ich bin froh, es endlich in einen sinnvollen Kontext einbetten zu können und dabei das Rätsel aufzulösen: Es handelt sich um Marseille!

Bevor wir nach Marseille kommen, fehlt aber noch ein kleiner, leider nicht in Fotos dokumentierter Teil. Wie schon angedeutet, sind Johnny und ich von Paris aus weiter in den Süden gefahren, um da meine Großeltern und den restlichen Teil, meiner sich dort befindlichen Familie, zu besuchen. Leider war das schöne, warme Wetter, dass uns dort erwarten sollte, permanent durch einen dicken Nebel versteckt, sodass wir viel Zeit drinnen verbrachten. Das gute Essen von meiner Oma, die langen Gespräche am Tisch, ein bisschen Sideseeing mit meiner Cousine und ein altes Keyboard haben gereicht, um die fünf Tage sehr schnell verfliegen zu lassen. Sie gaben mir aber vor allem die Möglichkeit, mich mit Familienluft aufzutanken und Johnny einen wichtigen Teil meiner Kindheit zu zeigen.

Der Trip nach Marseille resultierte aus einer recht spontanen Idee. Wir hätten, um wieder nach Straßburg zu kommen, über Paris fahren müssen. Der Abwechslung halber entschieden wir uns für einen Umweg über die Mittelmeerküste und planten den Zwischenhalt mit viel Zeit ein. Als wir am Sonntag Spätnachmittag aus dem Bahnhof kamen, bot sich uns dieser wundervolle Anblick. Wir hatten eine volle Nacht Marseille vor uns, die wir so ergiebig wie möglich nutzen wollten.

Wie das so ist, wenn man nichts im Voraus plant, fing unsere Tour aber erstmal mit einer kleinen Odysee an, weil wir unser Gepäck für die Nacht unterbringen mussten. Da die Schließfächer in marseillanischen Bahnhöfen um neun Uhr abends schließen, sind wir zwei Stunden umhergeirrt, auf der Suche nach einem günstigen Hostel mit der verzweifelten Bereitschaft, dort sogar ein Zimmer nur für das Gepäck zu nehmen. Nachdem wir geschätzte 5 km Fußmarsch hinter uns gebracht hatten, kam die Erlösung mit einem kleinen algerischen Hostel direkt am Bahnhof, wo man für nen Zwanni bereitwillig auf unsere Taschen aufpasste, auch ohne, dass wir da ein Zimmer nahmen.

Der dunkle Kopf mit Mütze gehört Johannes

Ich glaube es sprengt den Rahmen, hier alles erlebte wiederzugeben. Deswegen muss dieses kleine Fazit reichen: Es ist verdammt anstrengend, eine Stadt nur mit seinen Füßen erkunden zu wollen (Sonntagnachts fährt selbst in einer Millionenstadt nichts mehr)! Trotzdem haben wir es geschafft, auf den Felsen überm Meer Bier zu trinken, den Berg der Notre-Dame-de-la-Garde zu erklimmen (Im Hintergrund des ersten und des letzten Bildes) und die uns am wichtigst-erscheinenden Gebäude zu sehen. Zeitweise hatte ich wegen der offensichtlich dealenden und kriminell wirkenden Kiddiegrüppchen, die sich über den ganzen Stadtkern verteilten, ein flaues Gefühl im Magen. Das hing auch mit der Warnung zusammen, die wir aus mehreren Mündern hörten, kleine Gassen und die Außenbezirke zu meiden.

Im Großen und Ganzen muss ich aber wirklich sagen: Es war NICE!

So, es ist zwar noch früh, da ich aber morgen frühschichte, beende ich den Post mal an dieser Stelle. Der Rest folgt bald in Teil III!

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Teil I: Ich bin schrecklich kurzsichtig… und warum dieser Titel nichts mit dem folgenden Post zu tun hat

Dan Mangan – About as helpful as you can be without being any help at all

Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich Pferde, Wildgänse und eine vom Winter ergraute Landschaft. Ich sehe Matsch, Brennholz, Zäune, vor allem aber sehe ich weit.

Der große Unterschied, über den man sich am wenigsten Gedanken macht: In den Städten sieht man nah, auf dem Land sieht man weit. Klingt banal, wenn ich aber länger drüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass dieser Unterschied viele andere kreuzt. Wenn ich hier aus dem Fenster gucke, habe ich auf einen Blick die Weiten, bestehend aus Feldern, Bäumen, Wolken und dem Horizont. Es bewegt sich vieles im Wind, aber wenig von der Stelle. Ich kann mein Auge auf kleinen Details ruhen lassen, ohne Angst zu haben, ich verpasse den Rest. Dabei entsteht genau ein Eindruck, der sich bei längerem Betrachten, oder bei anderem Wetter ein bisschen verformen kann, im Grunde aber der gleiche bleibt: Ruhe.

Sorry, this one ist leider ziemlich verwackelt

In Städten ist es sehr schwer einen Fleck zu finden, an dem nichts passiert. Egal, wo man sich befindet, sieht man Menschen. Und mit jedem neuen Menschen gibt es einen neuen Eindruck. Da man sich in der Stadt meistens selber bewegt kommt mit jeder Straßenecke ein weiterer Eindruck hinzu. Geräusche, Gespräche, Schreie und Musik vervollständigen das Bild.

Das ist gut so, denn man braucht diese Fülle an Eindrücken, um sich irgendwann entscheiden zu können, ob man diese Stadt liebt, oder hasst. Es entstehen regelrechte Beziehungen, da Städte sich einem so vielseitig, wie der menschliche Charakter präsentieren. Und im Gegensatz zu unseren Liebesbeziehungen ist man nicht auf eine beschränkt. In meinem Fall sind es zwei, die ich innig liebe, eine, die ich hasse, zwei weitere, die ich noch nicht sehr lange kenne und die eine, auf die ich unglaublich scharf bin, obwohl ich mich bisher noch nicht richtig an sie ran getraut habe.

Eigentlich wollte ich auf einen Punkt hinaus, der mir durch das Umherschweifen meiner Gedanken fast entglitten wäre. Daher komme ich jetzt ohne Überleitung und Schnörkel drauf zurück: Ich bin zuhause!

Den Grund für meine frühzeitige Rückkehr, lasse ich wegen seiner Blödheit erst mal weg. Fest steht jedenfalls, dass ich jetzt wieder sehr viel Ruhe und ein bisschen Zeit habe. Zeit, meine Gedanken zu ordnen und einen Fuß wieder auf den Boden zu kriegen. Den verliert man nämlich leicht bei dem Versuch, das Leben in einer neuen Stadt ausschließlich zu genießen.

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“Our time is running out, you can’t push it underground” (Muse übertreibt)

Das ist nicht Straßburg! Ehrlich gesagt, brauchte ich nur einen Eye-Catcher für diesen Post. Aber wer errät, wo das ist und nicht weiß, wo ich mich in letzter Zeit rumgetrieben habe, bekommt ne Überraschung.

dillon – thirteen thirtyfive

Der Abend ist rum und ich fange an zu schreiben. Ich kann nicht sagen, ob ich durch die gegebene Situation inspiriert wurde, aber ich sehe sie zumindest als Anlass einen neuen Bericht zu liefern: Wir haben ein letztes Mal zusammen mit Clara in gewohnter Manier gekocht. Sie wird am Samstag wieder zurück nach Bonn gehen, um sich in ihren einstigen Alltag zu fügen und dem Ernst des Lebens (Bachelorarbeit) die Stirn zu bieten. Grund genug, so ausführlich, wie unsere kläglichen Möglichkeiten das hier bei mir (zwei Herdplatten/kein Ofen) ermöglichen, zu kochen und den Abschied mit reichlich Wein zu begießen.

Ich möchte in diesem Post nur ungerne sentimental werden, aber das ist die Stelle, an der ich am besten ausdrücken sollte, dass ich mich sehr gerne an die regelmäßigen Besuche in den Cafés erinnern werde, wo wir ungeniert und in aller Heftigkeit unsere Meinungsverschiedenheiten über Gott und die Welt ausgetragen haben, uns aber auch über Gewohnheiten, Erfahrungen und Geschmäcker austauschten; wo wir über Bonner Dozenten lästerten, ich einiges über die Jagd erfahren habe, wir uns halfen le bordel de la bureaucratie francaise zu überblicken und die kommenden Tage planten.

Unser Abend hatte neben der des Abschieds aber noch eine andere Note: Johnny fing an von den Sachen zu reden, die wir uns vorgenommen haben und noch unbedingt realisieren sollten, bzw. bisher versäumt haben zu tun. Er nahm einen Zettel und fing an alles aufzuschreiben: Musée (d’art moderne p.e.), Théatre, Saufen in Krutenau, Parlement Européen, Fahrradtour (Weinroute, Chateau Robertsau, Vogesen), jüdisches Viertel, Skifahren im Schwarzwald, Joshua Redman in Freiburg, Baggersee, Butterberg (Président-Salzbutter), Shitty Erasmusparty, Skaten…

Dadurch, dass Claras Zeit hier vorbei ist und wir es nicht richtig haben kommen sehen, wurde uns auf ein Mal bewusst, dass unsere Zeit auch am ablaufen ist. Es kommt in einem das Gefühl auf, man habe nicht genug von der Stadt gesehen, nicht genug von ihrem Flair geatmet und sich zu wenig um ihre Bewohner gekümmert. Man hat das Bedürfnis, seine Zeit hier so ergiebig wie möglich zu organisieren, damit man am Ende sagen kann: “Meine Güte, hab ich Erfahrungen gesammelt!” (In den Worten des International Office Bonn: “Ich habe mir eine Menge kultureller Kompetenzen angeeignet”).

In meinen Überlegungen komme ich aber zu dem Schluss, dass das alles Unsinn ist! Ich will nicht abstreiten, dass es bereichernd ist, viel zu erleben, aber darum geht es gar nicht bei diesem Gefühl. Wenn man eine Stadt auf ungewisse Zeit, oder für immer verlässt, bleibt immer dieser bittere Beigeschmack: Man hat ihr Unrecht getan! Man wollte doch lernen wie es ist sie zu bewohnen, aber das einzige was man gemacht hat, war sich krampfhaft an die Straßen zu klammern, die einen auf bekannten Wegen zu den Zielen führen, die man ohnehin zwei Mal die Woche sieht. Man war zu bequem, das Bier in der Bar gegenüber zu probieren und ärgerte sich trotzdem immer wieder, dass um 1 Uhr die letzte Runde geläutet wurde und mal wieder keiner getanzt hat. Man… das kann jetzt noch unendlich so weiter gehen, weil es am Umfang einer Stadt gemessen einfach wesentlich mehr Sachen gibt, die man nie machen wird, als die Sachen, die man in einem Semester, in einem Jahr, zehn Jahren oder einem Menschenleben machen kann. Soweit die erste Klarstellung!

Ich glaube außerdem, dass sich Straßburg nichts sehnlicher wünscht, als von uns genossen zu werden. Sie würde sich einfach schlecht fühlen, wenn wir versuchten, sie wie eine Zahnpastatube zusammenzurollen, um aus unserer investierten Zeit so viel wie möglich herauszuschlagen. Zuhause würden wir dann mit gebleckten Zähnen ihren Effekt präsentieren: „Leute! Ich bin sowas von voll mit kulturellen Kompetenzen!“

Und wenn es wirklich nur darum geht, sie zu genießen, kann ich beruhigt sagen, dass ich das bisher im großen Stil betrieben habe (das gilt mit Sicherheit auch für Johnny, Clara und Sascha). Ich habe sie in einem Semester glatt für zwei genossen. Und aus diesem Grunde könnte ich vielleicht endlich mal anfangen mich auf den Arsch zu setzen und intensiv was für die Uni zu tun.

Aber das ist ein schweres Thema, was getrost auf Sonntagabend verschoben werden kann, denn jetzt werde ich erst mal eine rauchen, dann ins Bett gehen, dann ist Wochenende und das wird genossen!

In diesem Sinne:

Gute Nacht

PS.: Ich würde in nächster Zeit gerne noch mehr schreiben, da über Weihnachten und danach ne Menge passiert ist, was es wert ist erzählt zu werden. Mal sehen, wann ich dazu komme…

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…und dann kam Party, oder was ich ich vom Winter halte

Es ist sechs Uhr am Morgen und ich sollte eigentlich schlafen. Ich sollte auch nicht rauchen, und vor allem nicht in meinem Zimmer. Und ich sollte nicht so viel Scheiße essen.. Aber gerade in diesem Moment kann ich nicht anders. Wahrscheinlich ist es die Jahreszeit, die mich dazu treibt. Die wenigen Tagesstunden lassen einen orientierungslos durch die Nacht leben bis man vergisst, wo der Anfang und wo das Ende ist. Und die Sonne scheint wie immer nur für den frühen Vogel.

Andererseits: Was kann mir ein Wintertag hier schon bieten? Der 440 Jahre alte Straßburger Weihnachtsmarkt ist die pure Reizüberflutung. Überall hängen blau und weiß blinkende Lichterketten, oder diese Stäbe, die durch ihr Blinken fallenden Schnee simulieren. Die Busse und Trams tragen die Aufschrift ”Strasbourg, Capitale de Noël” (erst “Capitale de l’Europe”, jetzt das. Was kommt als nächstes? Capitale der Herzen?). Die Stände sind lieblos in der ganzen Innenstadt verteilt und bei weitem nicht so schön, wie die in Bonn. Der städtische Weihnachtsbaum soll zudem jährlich 150 000 € kosten. Selbst wenn er schön wäre, könnte ich mich mit dem Hintergedanken nicht mehr daran erfreuen. Das nasskalte Wetter macht mich krank und die Stadt ist grau. Zusammengefasst: Das einzige, was mich morgens aus dem Bett holt, ist die Pflicht.

Wovon ich im Folgenden berichten werde, spielt sich also hauptsächlich im Schoße der Nacht ab. Denn Winternächte eignen sich viel besser als die des Sommers zum exzessiven Filmkonsum, oder um auf dicken Sofas alten Platten über neue Boxen zu lauschen (aber dazu später mehr). Wenn man zudem über ein gemütliches Wohnzimmer verfügt, ist es möglich, sich mit diversen Leuten über die Probleme des Lebens auszutauschen, oder ausgedehnt zu Abend zu essen. So schaffe ich es jedenfalls immer wieder, meine verschenkten Tagesstunden wett zu machen und was noch viel wichtiger ist: glücklich zu bleiben.

Damit ich nichts vergesse, fange ich nach meiner langen Einleitung trotzdem von vorne an, also an der Stelle, an der ich das letzte Mal aufgehört habe. Sorry!

Es ging um Johnnys WG. Und darum wird es auch weiterhin gehen, denn wie sich herausgestellt hat, ist sie zum Zentrum unseres gesellschaftlichen Lebens geworden. Seit sich alle halbwegs eingelebt haben (Anfang November), hat es ein paar Möbelkaufaktionen bei Emmaüs (einem second-hand Möbelladen) gegeben, um das Wohnzimmer und die Küche wohnlich zu machen. Natürlich richtet man sich nicht von heute auf morgen komplett ein, aber gerade das Wohnzimmer hat von Anfang an von seinen beiden großen Sofas und der Hifi-Anlage profitiert. Der Umgang ist viel familiärer, da man sich abends für gewöhnlich im Wohnzimmer zusammenfindet, entweder um zusammen zu essen, oder einfach zum labern. Dementsprechend kann ich sagen, dass Johnny unglaubliche Fortschritte mit seinem Französisch gemacht hat und mittlerweile zu allen Themen seinen Senf hinzugeben kann. Und auch Claras, Saschas und meinen Sprachkenntnissen ist der freundschaftliche Umgang mit gleichaltrigen Franzosen in jedem Fall förderlich.

Die ersten Abende, die ich bei Johnny verbracht habe, waren alle auf ihre Art unvorhersehbar erfrischend. Die Wohnung war am Wochenende geplanter- oder spontanerweise immer voller Menschen. Es war überraschend, wie sich von jetzt auf gleich das Wohnzimmer mit Kunststudenten füllt, obwohl wir eigentlich geplant hatten nur nen Film zu gucken. Es endete dann am frühen Morgen in kleiner Runde mit Jimi Hendrix und David Bowie, Sandwiche essend und geistesabwesend dummes Zeug von sich gebend.

Leider waren diese spontanen Parties auch der Grund, warum die Polizei an drei Wochenenden in Folge vor der Tür stand, und das bevor es überhaupt zu der richtigen Einweihungsfeier gekommen war. Wie sich herausstellte war es vor allem der liebe Nachbar aus dem 2., der nicht schlafen konnte. Das Problem war aber weniger der Lärm, sondern sein eigener Alkoholkonsum. Vincent hat sich seiner angenommen, ihn eingeladen und das Problem war gelöst:

Die Einweihungsfeier am vorletzten Wochenende war dann auch vorerst die letzte für die nächste Zeit, um die Nerven der Hausnachbarn nicht noch weiter zu strapazieren. Glücklicherweise fiel diese mit dem Besuch von Patti aus Paris zusammen und ich konnte ihr ein bisschen die WG zeigen. Ansonsten war das Wochenende mit Patti sehr entspannt. Wir haben meistens lange geschlafen, sind dann durch Straßburg geschlendert, oder sind essen gegangen, warn im Museum und aufm Weihnachtsmarkt.

…so, weiter komme ich für den Moment nicht. Wir haben halb neun und ich muss noch eben rüber zum Büro meine Miete bezahlen und dann ins Bett. Also: Peace!

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Da bin ich wieder. Es sind fünf Tage vergangen, seitdem ich diesen Post begonnen habe und ich weiß nicht, wo die Zeit geblieben ist. Die letzten Tage waren gar nicht so ereignisreich, aber zum Schreiben bin ich trotzdem nicht gekommen.

Wie ihr an den nächsten Bildern erkennen könnt, ist nicht alles so düster und traurig, wie ich es am Anfang beschrieben habe. Die Bilder mit dem schönen Wetter sind zwar alle vom 28.11. und seitdem war es nur einmal noch ähnlich schön, aber immerhin gibt es sie noch, die Sonne!

Hier sieht man die Ecke, die ich im September mal erwähnt hatte. Der Ort, an dem wir nächtelang saßen, Wein tranken und uns am Leben erfreut haben.

Kaffee mit Sascha auf den Party-Booten

Place de la Republique

Es tat mir etwas Leid, bei diesem Stunt ausgelassen gelacht zu haben, weil Johnny drei Tage danach noch am humpeln war, aber immerhin haben wir den Stunt und wie er letztlich doch aufm Ast sitzt auf Foto.

Der Dezember ist im Grunde schnell zusammengefasst. Johnny gibt mittlerweile Deutschstunden an Partybekanntschaften und geht regelmäßig in Wirtschaftsvorlesungen. Mit seinen neuen Boxen, ein paar Bildern an der Wand und einem kleinen Tisch ist sein Zimmer jetzt fast komplett eingerichtet und es steht uns nichts mehr im Weg intensiver Musik zu machen (so wars geplant). Letztlich haben wir uns doch sehr passiv verhalten und sehr viel mehr Musik gehört als gemacht (Die Zitilites Platte von Kashmir, die wir extra aus Dänemark bestellt haben ist ein wahrer Genuss über die NuPro A-20.

Der Dezember ist aber auch der erste Monat, in dem ich ernsthaft was für die Uni machen musste. Mit meinem ersten Referat, das sich als ausgesprochen arbeitsintensiv herausgestellt hat, habe ich zu meiner Überraschung ordentlich abgeräumt. Das Bild zeigt einen Ausschnitt der Dokumente, die wir aus den Archiven suchen, transkribieren und dann ins Französische übersetzen mussten (ein Großteil der elsässischen Geschichte ist auf Deutsch, da das Elsass bis ins 17. Jh. und danach immer mal wieder zu den deutschen Reichen gehört hat).

Die erste Klausur war hingegen eher ernüchternd. Ich hab zwar noch kein Ergebnis, aber gut kann es in jedem Fall nicht mehr werden. Die Franzosen haben die Gewohnheit, alle ihre Klausuren in Form einer sogenannten “Dissertation” (hat nichts mit der deutschen Bedeutung zu tun) zu schreiben. Das ist ein System, das hier schon ab dem Lycée in allen Klausuren der Sprach- und Geisteswissenschaften angewandt wird, um mit einer einzigen Frage dem Prüfling sein gesamtes Wissen zu diesem Thema in einem dreiteiligen Aufsatz aus der Feder zu kitzeln. Im Grunde kann ich daran nichts Schlechtes finden, zum kreativen Schreiben gezwungen zu werden. Es gibt sogar Kurse für Erasmus-Studenten, in denen man die Vorgehensweise in Klausuren lernt, nur haben wir das jetzt erst durch Etienne und Laura (Johnnys Mitbewohner) erfahren, da wir von Seiten der Uni nur darauf hingewiesen wurden, Klausuren lieber zu meiden. Toll! Naja.. Ich werde immer glücklicher mit der Entscheidung, ein Semester verlängert zu haben. Es gibt eben doch viele Sachen, die man im ersten Semester falsch macht.

Die nächsten Tage stehen im Zeichen der Weihnachtsferien. Ich muss mir noch Literatur für meine Arbeiten suchen, hier mal gründlich aufräumen, putzen, Geschenke besorgen, die letzten Tage genießen, packen und spätestens Montag geht es wieder nach Bonn. Ich freue mich unglaublich, endlich alle wiederzusehen und ein paar ruhige Tage zuhause zu verbringen. Die Zeit hier war bis jetzt sehr schön, aber der Winter ist eben doch bei uns vorm Kamin am besten zu ertragen.

Das wars für dieses Jahr. Wenn nichts Weltbewegendes passiert, werdet ihr wahrscheinlich erst nach den Ferien auf diesem Wege von mir hören.

Demnach wünsche ich eine gute Zeit und schöne Weihnachten.

Bis bald, euer Yannis

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Five days in Paris – und was das Leben noch so bringt

Hello again,

man hat immer ein Bild von Ländern oder Städten im Kopf, das sich aus Filmen, Fotos, Liedern, Fernsehsendungen, Klischees und Erzählungen zusammensetzt. Gemeinsam mit der eigenen Einstellung ergibt sich dann die Illusion, man wisse wie es an diesem Ort ist. Gerade für Paris sollte man meinen, eine komplexe Vorstellung zu haben, da sie immer wieder in allen Formen der Kunst Erwähnung findet (Paris, je t’aime, Midnight in Paris, Friendly Fires, Phoenix, C’était un rendez-vous…).

An dieser Stelle bietet es sich an, Vincent (Johnnys Mitbewohner) zu zitieren. Er meinte vor einiger Zeit zu mir: “On va seulement savoir, si c’est vrai c’que les gens disent, en y allant soi même”. Zugegebenermaßen: Ich war schon in Paris. Für einen Tag mit der Schule. Und seitdem hat sich bei mir immer mehr das Bild einer überfüllten, überteuerten, stressigen und versnobten Stadt gefestigt. Die Sehenswürdigkeiten verlieren für mich ihren Wert, sobald ich sie mir mit tausend Touristen teilen muss. Hinzu kommt noch, dass ich meine Schwierigkeiten mit kitschigen Klischees habe und für Paris hat man einige davon eingetrichtert bekommen (siehe: Midnight in Paris).

Um zum Punkt zu kommen: Ich habe das Glück, dass meine bezaubernde Freundin ihr Auslandssemester in Paris macht und ich eine zweite Chance bekam, mein Bild von Paris zu überdenken. Und für mich ergibt sich dadurch auch ein erheblicher Unterschied: Ich bin kein Tourist mehr, sobald ich mit “Einheimischen” unterwegs bin.

Die Distanz von 500 km, die mich von Paris trennt, fühlt sich wie ein Katzensprung an, wenn man mit dem TGV reist, da es zwischen Straßburg und Paris keinen Zwischenhalt gibt und die Strecke in zweieinhalb Stunden geschafft ist.

In Paris angekommen (Do, 20.10.2011, 22:30) war ich völlig geflasht. Der gesamte Charme von Saint-Germain-des-Prés schien auf den Moment gewartet zu haben, in dem ich aus der Metro steige, um mich mit meinen bornierten Vorurteilen lächerlich zu machen.

Patti und Valli hatten nach einer beschwerlichen Wohnungssuche das Glück, ein Zimmer im Dachgeschoss mitten im alten Künstlerviertel Saint-Germain zu finden.

Links hinter der Markiese ist der Eingang in das aus dem 17. Jh. stammende Haus

Blick aus ausm Treppenhaus in den Innenhof

Und spätestens beim Blick ausm Fenster weiß auch jeder Deutsche, dass er in Paris ist.

Es hat von Anfang an Spaß, gemacht so zu tun, als sei man Pariser. Morgens nach dem Aufstehen eben runter zu Monoprix gehen und Eier, Bacon, Orangensaft und Baguette fürs Frühstück holen. Über den Tag verteilt in Straßencafés unnötig viel Geld für einen Grand Café-Crème ausgeben und Gauloises rauchen. Und abends in kleinen Restaurants königlich essen, oder in großen, teuren Studentenclubs auf den alten Ed-Banger-Style tanzen.

Im Endeffekt hätte uns bei näherem Betrachten wahrscheinlich jeder enttarnt. Denn welcher Pariser geht schon zum Sacré-Coeur, zu Notre Dame, nach Versaille oder auf den James-Morrison-/Oscar-Wilde-Friedhof Père Lachaise? Aber irgendwie muss man ja anfangen, eine Stadt zu erkunden.

Die Architektur vom Sacré-Coeur ist faszinierend, und der Blick auf Paris erhaben, aber der Ort ist abends extrem überlaufen und der Prunk im Inneren fast Ekel erregend.

Der RER wäre im Rheinland wahrscheinlich mit einer Regionalbahn vergleichbar, dient aber in Paris nur der Verbindung zwischen den Banlieues und dem Stadtkern. Dieses Old-School-Exemplar brachte uns nach Versaille.

Da wir immer erst recht spät aus dem Bett gekommen sind, und lange zum Frühstücken brauchten, haben wir die meisten Orte auch nur abends besichtigen können. In Versaille hatte das den positiven Nebeneffekt dieses Sonnenuntergangs. Faszinierend ist auch der Umstand, dass der Blick von der Hinterseite des Schlosses bis zum Horizont ins Grüne geht, obwohl Versaille mitlerweile von Paris verschluckt wurde.

Père Lachaise, der wahrscheinlich meist besuchte Friedhof der Welt, war an diesem Montag Spätnachmittag angenehm leer. Natürlich traf man hier und da auf Gruppen amerikanischer Touristen, mit dem “Where is Jim Morrison?”-Blick. Da es für die aufwändige Suche nach berühmten Gräbern etwas spät geworden war, sind wir durch den unteren Bereich des Friedhofs geschländert und haben die passend herbstliche Athmosphäre auf uns wirken lassen.

Für alle, die diesen charmanten Herren nicht kennen: Das ist Timo. Timo war zufälligerweise an diesem Wochenende mit einer Freundin aus Aachen in Paris unterwegs und wir haben die Gelegenheit genutzt, um uns auf ein Bier (die Mädchen tranken Wein) in der Nähe von Notre Dame zu treffen.

Obwohl wir stets auf einen entspannten Tagesablauf geachtet haben, kann das Leben in der Metropole mitunter sehr ermüdent sein.

Sehr unparisisch: Buspläne studieren.

Dieses Schmuckstück wirkt etwas protzig, aber beim Vorbeigehen wurde mir mal wieder klar, dass mein erstes Auto ein Mini sein muss.

Bei meiner Rückkehr nach Straßburg am Dienstag Abend musste ich mir eingestehen: Ich habe Paris Unrecht getan. Natürlich darf man die schwierigen Aspekte nicht aus den Augen verlieren (und das passiert leicht, wenn man geliebte Menschen besucht, um schöne Tage mit ihnen zu verbringen), aber es ist definitiv eine Stadt, in die man sich verlieben kann.

Also hier mein Fazit: groß, teuer, voll, schnell, stressig, manchmal gefährlich. Aber eben auch wunderschön, alt, pompös, charmant, detailverliebt, kulturell, historisch, einladend, offen. Und auf ewig unergründlich.

Back to Strasbourg:

Johnny ist endlich in seine WG eingezogen. Als ich ihn am Dienstag Abend nach der Rückfahrt aus Paris besucht habe, hatte er zwar noch kein warmes Wasser, keine Heizung und war der einzige im Haus, aber im Laufe der Woche ist dann auch der Rest eingetrudelt und beginnt so langsam die Wohnung mit Leben zu füllen. Die Mitbewohner, die ich bis jetzt kennenlernen konnte, sind freundlich und aufgeschlossen. Vor allem Vincent, der es sich trotz seines stressigen Medizinstudiums anscheinend zur Aufgabe gemacht hat, sich um Johnnys Wohlergehen und seine Integration zu bemühen, war mir auf Anhieb sympathisch.

Nach den “20ième mondial d’impro de théatre”, auf denen Johnny und Vincent letzten Samstag waren, hat er uns noch mit auf eine Privatparty geschleppt, wo er selbst kaum jemanden kannte. Während man im Unileben oder Alltag als Ausländer wenig Beachtung bekommt, wird man auf Parties hingegen sehr schnell in Gespräche reingezogen. Etwas oberflächlich geht es dann meistens um die sprachlichen Unterschiede, Vorurteile und Klischees zwischen den beiden Ländern. Und jeder Betrunkene muss ein bisschen von seinem Deutsch präsentieren: “Je sais dire, que j’ai la chiasse!” (Das übersetze ich nicht^^)

Mir viel es leider etwas schwer, mich wieder auf das Unileben einzulassen, nachdem ich diese wundervollen Ferien “de la Toussaint” hatte. Die herbstlichen Tage und die frühen Nächte laden sehr zum Faulenzen ein, aber spätestens morgen werde ich mich mit aller Härte wieder aus dem Bett prügeln dürfen, um pünktlich um acht in der Uni zu erscheinen :)

Also liebe Freunde, ich verabschiede mich mit einem herzlichen “bonne nuit!”

Yannis

P.S.: Ich hatte mal was von Einwegkamerabildern gesagt. Die liegen nämlich leider jetzt in Meinerzhagen, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich sie eines Tages hier rein stellen kann ;)

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Thru you with Kutiman!

YouTube, die neue Musik-Supermacht?  Wahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass selbst in Deutschland Warner und Universal mittlerweile eigene Kanäle haben (War da nicht noch was mit der Gema?) [Fataler Fehler! Der Artikel ist in Strasbourg entstanden und dann ist es natürlich klar, dass es hier andere Regelungen zwischen Youtube und der Musikindustrie gibt. Warum ich dachte, ich sei in Deutschland kann ich mir auch nicht erklären]. Und es gibt eine neue Generation Stars! Justin Bieber soll durch Youtube groß (≠erwachsen) geworden sein. Nicht zu vergessen, die Youtube Symphony Band! Youtube killed the video and the the radiostar!

Eine düstere Zukunft wird über uns hereinbrechen.. Aber nein! Neben dem ganzen Mainstream, der schon längst die Macht im Internet übernommen hat, bietet Youtube doch immer noch Platz für Jeden, der was zu teilen hat. Musikalisch gesehen hat das zur Folge, dass es private Cover aller erdenklichen Lieder gibt und sich Tutorials zum erlernen eines Instruments in ganze Musikschulen verwandeln! Man versucht durch die neuen Mittel bekannt zu werden und gründet mäßig begeisternde Youtube-Bands, oder bekannte Bands missbrauchen den Hype für ihre Zwecke… (toll, Weezer war mal cool).

Und zwischendurch kommt es dann vor, dass etwas wirklich Gutes, wirklich Neues und Innovatives entsteht. Die Richtung auf die ich hinaus will, fängt (zumindest in meiner Welt) mit Lasse Gjertsen’s Amateur an. Musik-Sampling ist beinahe eine alte Geschichte und Filme zu zerschneiden und in einen neuen Kontext zu bringen ist auch nicht neu (Querverweis!). Musikvideos zu sampeln ist also nur konsequent, wahrscheinlich aber so schwer, dass sich kaum jemand daran wagt, geschweige denn gute Ergebnisse erzielt. Doch dann kam KUTIMAN!!! (Es tut mir Leid, wenn ihr das schon kennt. Die Videos haben so viele Klicks, dass das schon jemand gesehen haben muss. Ich bin da aber heute erst – dank Philipp – drauf gestoßen, deswegen muss ich da drüber schreiben!)

Dieser geniale Mann, genannt Kutiman, fing an Youtube-Schlagzeuger in Dauerschleife abzuspielen, um darauf zu improvisieren und dann: “maybe I can find a bass and guitar and other players on YouTube to play with this drummer…” (Quelle: Wiki). So entstand die Idee unabhängige Youtubevideos in einem Mash-Up zu vereinen und ihn seinerseits wieder auf Youtube hochzuladen.

Der Erfolg war so groß, dass – der aus Tel-Aviv stammende Multi-Instrumentalist Ophir Kutiel sich dazu entschied das Ganze zu einem Projekt auszuweiten und sich zu diesem Zweck zwei Monate von seiner Umwelt abzuschotten. Das ganze Werk ist seit März 2009 auf Youtube zu sehen und von ihm selbst ganz gut zusammengefasst: About Thru You

Insgesamt sind dabei sieben Lieder entstanden, die trotz der vielen verschiedenen “Interpreten” die gleiche Handschrift aufweisen und bei denen eine gewisse Ähnlichkeit unverkennbar ist. Die bei Mash-ups dieser Art fast übliche R’n'B/Trip-Hop-Note verrät seine Bezogenheit zu James Brown und Fela Kuti (Quelle). Ich werde an dieser Stelle nur das erste Video davon posten, aber wenns euch gefällt, klickt euch doch bitte einfach durch. Die sind von 1 bis 7 durchnummeriert.

Die unglaubliche Vielfältigkeit zeigt sich auch in seinen letzten Werken. Ein Mash-Up  aus Amateurvideos von Gnarls Barkley, Beyoncé, Alicia Keys, Kayne West und John Legend (vergebt mir, wenn ich mich irre) steht im starken Kontrast zu diesem politisch bewegtem Werk, das auch durch die Kraft der Bilder Stimmungen, wie ich sie von den Flobots kenne, erzeugen kann.

Des Weiteren sollte ich noch eine Zusammenarbeit mit israelischen Künstlern erwähnen, die an das Thru You Prinzip angelehnt ist, aber eigens für diesen Zweck aufgenommen wurde. Die Qualitäten als Produzent sind offensichtlich. (Wenns eure Internetverbindung erlaubt, sollet ihr es euch in 1080p geben)

Da ich sonst kein Ende finde, arbeite ich den Rest stichpunktartig ab:

Sabbo und Kutiman – Better Days (Seine letzte Produktion zusammen mit Sabbo. Das Album wurde in Jamaika aufgenommen und ist somit sehr reggaelastig. Nicht unbedingt mein Fall, aber das Lied ist schön)

Kutiman – Bango Fields (Aus seinem 2007 erschienenen ersten Album. Auf den ersten Blick die coolste Nummer)

http://www.youtube.com/user/kutiman (Hier nochmal der ganze Kanal. Es ist wirklich alles hörens-/sehenswert)

http://thru-you.com/#/intro/ (Die Projektseite zu Thru You)

http://www.kutiman.com/ (Seine Internetseite. Hier erscheinen Blogartig immer wieder kleinere Arbeiten)

http://www.allmusic.com/album/kutiman-r1292293 (Eine Kritik zu seinem Debut auf Allmusic)

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